ZLS – ein Werkstoff für fast alle Fälle

Greife ich zur ästhetisch besten Option, die sich direkt nach dem Schleifen eingliedern lässt, dafür aber in ihrem Indikationsspektrum eingeschränkter ist? Oder wähle ich einen festeren und daher vielseitiger einsetzbaren Werkstoff, bei dem ich aber auf einen Kristallisationsbrand angewiesen bin? Bei glaskeramischen Versorgungen galt es lange Zeit, sich zwischen diesen beiden Möglichkeiten zu entscheiden. Für alle Fälle mussten beide Materialien – klassische, feldspatbasierte Glaskeramik und Lithiumdisilikat – bevorratet werden.

Zirkonoxidverstärkt für mehr Flexibilität

Eine ganz neue Perspektive eröffnete im Jahr 2013 die Entwicklung von zirkonoxidverstärktem Lithiumsilikat, kurz ZLS. In Form unseres CAD/CAM-Blocks Celtra Duo machte dieser neue Werkstoff erstmals möglich, was bis dahin als undenkbar galt: Er kombinierte wesentliche Vorteile von klassischer Glaskeramik mit denen von Lithiumdisilikat. Damit war ein Material geschaffen, das lediglich poliert bereits die doppelte Festigkeit von Glaskeramik erreichte (210 MPa). Mit lediglich einem Glasurbrand lässt sich diese Festigkeit sogar noch etwas über das Niveau von Lithiumdisilikat (370 MPa 3-Punkt Biegefestigkeit, 560 MPa biaxiale Biegefestigkeit) bringen – ein Block, zwei Möglichkeiten!

Als Erfolgsrezept erweist sich dabei die besondere Mikrostruktur von ZLS. So geht beispielsweise die besonders hohe Festigkeit von Celtra Duo auf seinen 10-prozentigen Zirkonoxidanteil zurück, der vollständig in der Glasphase gelöst vorliegt. Zudem sind die ausgebildeten Lithiumsilikat-Kristallite deutlich kleiner als Lithiumdisilikat-Kristallite – vier- bis sechsmal kleiner, um genau zu sein. Im Ergebnis führen diese Strukturmerkmale sowohl zu einer hohen Festigkeit als auch zu herausragenden ästhetischen Eigenschaften sowie einer leichteren und sicheren Beschleifbarkeit im final kristallisierten Zustand.

Hohe Kantenstabilität

Pressvariante begeistert Zahntechniker

Nach dem Erfolg von ZLS für den CAD/CAM-Workflow machte Celtra Press den Werkstoff 2016 auch für die bewährte Presstechnik verfügbar – und avancierte schnell zum neuen Lieblingsmaterial vieler Zahntechniker. Besonders interessant für das Labor: Celtra Press verfügt im Vergleich zu Celtra Duo über eine nochmals deutlich höhere Biegefestigkeit! Mit 567 MPa Drei-Punkt Biegefestigkeit und 678 MPa biaxialer Biegefestigkeit MPa nach einem Power-Fire-Brand eröffnen sich auch mit Blick auf das Indikationsspektrum völlig neue Möglichkeiten. Denn mit solch hohen Sicherheitsreserven lassen sich selbst bis zu dreigliedrige Frontzahnbrücken bis zum zweiten Prämolaren realisieren.

Hinzu kommt ein denkbar einfaches Handling: So reicht beispielsweise aufgrund der sehr guten Fließeigenschaften des Materials ein einziger Presskanal für dreigliedrige Brücken aus. Und selbst nach dem eigentlichen Pressvorgang erleichtert die speziell entwickelte Celtra Press-Einbettmasse den Arbeitsprozess. Nach dem Abstrahlen bleibt keine Reaktionsschicht zurück, so dass auf die Verwendung von Flusssäure verzichtet werden kann.

Im Labor bewährt, auf großer Bühne prämiert

ZLS hat in zahntechnischen Laboren auf der ganzen Welt eine große Anhängerschaft. Gerade mit Blick auf die Pressvariante habe ich in meinen Gesprächen mit Zahntechnikern immer wieder den Satz gehört: „Alle Arbeiten, die sich mit Celtra Press realisieren lassen, mache ich auch mit Celtra Press!“ Doch die Bedeutung des zirkonoxidverstärkten Lithiumsilikats geht sogar über die Dentalwelt hinaus, wie erst im Mai die Verleihung des Joseph-von-Fraunhofer-Forschungspreises zeigte.

Bei dieser hochkarätigen Veranstaltung, zu der Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich für ein ausführliches Grußwort anreiste, wurden zwei ZLS-Forscher in der Kategorie „Technik für den Menschen“ prämiert. Damit bewegt sich ZLS als Werkstoffklasse nicht nur in äußerst erlesener Gesellschaft, dieses Beispiel unterstreicht auch das hohe Innovationsniveau in der Zahntechnik – ein Erfindungsreichtum, von dem Labore, Praxen und Patienten gleichermaßen profitieren.

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