DSIGN Inspirations 2017-2018 by Dentsply Sirona – Teil 7: Erinnerungsmuster

DSIGN Inspirations 2017-2018 by Dentsply Sirona – Teil 7: Erinnerungsmuster

Bevor Doktor Johannes Schinz 2015 seine eigene Praxis im Kurort Bad Nenndorf gründete, führte er zusammen mit seinem Vater Dr. Friedrich Schinz eine Gemeinschaftspraxis am selben Ort. Der Vater unterstützte die Gründungspläne seines Sohnes, und der Sohn konnte einige Anregungen aus der gemeinsamen Arbeit mit seinem Vater in die Gestaltung der Praxis einfließen lassen. Die neue und moderne Praxis befindet sich in einem historischen Gebäude, einem ehemaligen Schlammbadehaus mit wechsel voller Geschichte. Ein Investor hatte das alte Kurgebäude 2012 zu einem Gesundheitszentrum mit Arztpraxen und Apotheke umbauen lassen.

Mit Unterstützung einer Architektin des Dentalfachhandels ließ Dr. Schinz die 250 qm große Praxis nach seinen Vorstellungen planen und einrichten. Seine Vorgabe: Die Grundgestaltung sollte klar sein, aber nicht kalt – hygienisch, aber nicht steril – eine Arbeitsatmosphäre, kein Wohnzimmer. Eine ganz persönliche Leitidee für die Gestaltung hat er außerdem der Planung von Anfang an vorangestellt. Sie sollte seine eigenen Fotografien sowie Abbildungen aus seinen Lieblingscomics integrieren.

Comics im Korridor

Während die Grundatmosphäre mit weißen Wänden und Holzböden sehr klar und schnörkellos ist, setzt Dr. Schinz farbliche Akzente. Einige Wände sind mit satten Farben in blau, rot, orange, gelb, pink bemalt. Das Lichtdesign wurde von einem Spezialistenteam aus Hannover übernommen. Pendelleuchten geben ein warmes Licht, dimmbare Lichtbänder sorgen für eine Grundausleuchtung. Besondere Hingucker fallen im Korridor ins Auge: Szenen aus „Tim und Struppi“ – oder „Les aventures de Tintin“, wie es im belgischen Original von Hergé heißt. Ist das ein Dekoelement, das den jugendlichen Patienten ansprechen will? Ja, aber vor allem sind es fröhliche Kindheitserinnerungen des Zahnarztes. Er hat die Motive mit seinem Sohn sorgfältig ausgewählt und von einer Künstlerin nachmalen lassen.

Wie ein Vorgänger der Pop-Art wirken die Bilder, und doch sind sie historische Reminiszenzen, denn das erste Tim-und-Struppi-Album entstand bereits im Jahre 1929, lange bevor in den 1950er Jahren die Pop-Art Bewegung startete. Diese Leitidee bestimmt auch die Farbgestaltung der Praxis. Akzentfarben aus der Welt der Bildgeschichten finden sich an manchen Wänden wieder: monochrom gestrichene Flächen in satten Farben.

Süntelbuchen

Ein anderes persönliches Element mit gleichzeitig regionalem Bezug hat Dr. Schinz in den vier Behandlungsräumen inszeniert. Jeder Raum ist einer Jahreszeit zugeordnet, die mit selbst aufgenommenen großformatigen Fotos der in der Gegend bekannten Süntelbuchenallee dargestellt wird. Damit schafft Dr. Schinz in jedem Zimmer farblich und atmosphärisch eine eigene Note. In- spiriert wurde er dazu von seinem Vater, der selbst eine Zahnarztpraxis hatte und sein Behandlungszimmer stets durch die Sommeroder Winterlandschaft einer Fototapete betrat. So wurde die Erinnerung an den Vater in seinem Arbeitsumfeld zu einer Inspiration und Leitidee bei der Gestaltung der Praxis des Sohns. Zahnarzt Dr. Johannes Schinz hat in seiner Praxis in Bad Nenndorf persönliche Muster angelegt, die dekorativ sind und gleichzeitig etwas über ihn erzählen. Die Spuren erkennt freilich der Patient nicht direkt. Aber er spürt, dass es eine persönliche Handschrift gibt, und das, so sagt Dr. Schinz, mache die Praxisräume menschlich. „Schließlich“, so kommentiert Dr. Schinz seine Idee, „ist es das, was wir sind, Erinnerungen“.

Eine Praxis, kein Wohnzimmer

Den Begriff „Wohlfühlambiente“ hält der Praxisinhaber für unpassend. „Selbstverständlich sollen sich die Patienten in meiner Praxis wohlfühlen. Das tun sie aber vor allem, weil mein Team und ich eine gute Arbeit machen. Die persönlichen Akzente, die freundlichen Farben und die ansonsten klare Gestaltung geben meiner Praxis ein angenehmes und menschliches Gesicht. Technik darf man gerne sehen, wenn sie wie bei den von mir genutzten Geräten ästhetisch ist. Wir haben ja auch Behandlungseinheiten von Dentsply Sirona und nicht von einem Billighersteller. Das drückt Qualität aus und passt bestens zu unserem klinischen Anspruch. Letztendlich ist es eine Praxis und kein Wohnzimmer.“ Die Patientenstruktur der Region hat Dr. Schinz bei der Einrichtung und Gestaltung seiner Praxis immer im Blick behalten.

Bad Nenndorf ist eine Kleinstadt mit gut 10.000 Einwohnern. Zur Landeshauptstadt Hannover sind es von dort rund 30 Autominuten. Die meisten Patienten kommen aus dem ländlichen Raum. Eine zu luxuriöse Einrichtung schafft bei diesen Patienten aus Erfahrung von Dr. Schinz kein Vertrauen. Hochwertig darf die Praxisgestaltung und –ausstattung wirken, aber keineswegs pompös. Daher sitzen die Patienten im Wartezimmer auf einem LC1 Stuhl von Le Corbusier – ein zeitloses klassisches Design mit Understatement. Wichtiger ist dem Zahnarzt aber, dass die Wartezeiten generell so kurz wie möglich sind. Seine Praxisorganisation und -abläufe hat er deswegen weitestgehend digital ausgerichtet. Karteikarten gibt es bei Dr. Schinz schon lange nicht mehr. Die Terminbuchung wird noch im Behandlungszimmer gemacht, die Fotos und Röntgenaufnahmen sind alle in einer digitalen Patientenakte hinterlegt.

Positive Emotionen

Dass die Planung der Praxis von Dr. Schinz einem bis ins Detail durchdachten Konzept folgt, lässt sich an seinem Empfang zeigen. Das Desk ist ein von einem Schreiner maßgefertigtes Stehmöbel. An diesem schönen Stück bezahlen die erwachsenen Patienten ihre Rechnungen oder melden sich an, während die Kinder auf ihrer Stehhöhe an der Seite in eine eingelassene Schublade greifen können. Darin warten kleine Überraschungen auf sie – als Belohnung nach der Behandlung. „Dieser Griff in eine Schublade und das Goodie nach der Behandlung ist eine meiner positiven Erinnerungen an die Zahnarztbesuche meiner Kindheit. Jetzt verbinden unsere kleinen Patienten damit eine positive Emotion und kommen gerne wieder.“

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