„Build your smile“: 18 Dentalexperten, 14 Tage in Uganda

Die Stiftung „Build your Smile“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in abgelegenen Gebieten Ugandas Zugang zu zahnärztlicher Versorgung zu ermöglichen. Gegründet wurde „Build your smile“ durch den kanadischen Zahnmediziner Dr. Izchak Barzilay. Dentsply Sirona Kanada, USA und Deutschland engagierten sich in dem Projekt unter anderem mit Material- und Gerätespenden.

Noch vor dem Beginn der COVID-19-Pandemie war Nicole Hieronymus, Global Senior Manager Clinical Affairs bei Dentsply Sirona in Hanau, vom 25. Januar bis 8. Februar 2020 mit einem Team von Dentalexperten, Zahnärzten und Zahnarzthelferinnen aus aller Welt in Uganda. Die ausgebildete Zahntechnikerin unterstützte das Team in der Fertigung von mehr als hundert Prothesen. In ihrem Reisetagebuch hat sie ihre Eindrücke festgehalten.

Die Anreise

Auf der ersten Etappe der Reise ging es von Frankfurt nach Addis Abeba (Äthiopien), anschließend weiter nach Kigali (Rwanda). Am Flughafen in Addis Abeba habe ich die Freiwilligengruppe aus Kanada getroffen und die Zahnärzte, Zahnarzthelferinnen und Zahntechniker kennengelernt, mit denen ich in den folgenden zwei Wochen zusammengearbeitet habe.

Die komplette Ausrüstung an Material und Geräten, die wir für die zahnärztlichen Behandlungen und die zahntechnische Arbeit brauchten, kam direkt aus Toronto: Insgesamt 25 große Taschen mit jeweils 25 Kilo Gewicht. Zu den von Dentsply Sirona gespendeten Materialien und Geräten gehörten unter anderem 100 Sets Kunststoffzähne in allen Größen und drei Zahnfarben, ein Triad-Lichthärtegerät, lichthärtenden Prothesenkunststoff, Labormaterialien und Präventionszubehör wie NuPro Prophylaxepaste.

Ein Teil des benötigenden Equipments war bereits vom letzten Einsatz der Stiftung noch vor Ort, inklusive des unverzichtbaren Generators. Da wir in den meisten Fällen in alten Kirchen oder Schulen arbeiten sollten, die keinen Zugang zur Stromversorgung boten, war die externe Stromquelle unverzichtbar.

Das komplette Gepäck wurde in Kigali am Flughafen in zwei größere Busse geladen. Von dort traten wir die Reise an den Grenzübergang zwischen Rwanda und Uganda an. An der Grenze wurden unsere Visa, Pässe, die Gelbfieberimpfung und das komplette Gepäck kontrolliert. Die Grenzzone selbst durfte nur zu Fuß überquert werden, anschließend stiegen wir wieder in die Busse. Nach mehreren Stunden Fahrt erreichten wir schließlich unser Base Camp in Kabale.

Nach dem Ausladen des Gepäcks wurden die Zimmer verteilt. In jedem Schlafraum, der durch ein kleines Zimmer mit einem anderen Schlafraum verbinden war, nächtigten zwei Personen, also insgesamt vier Teilnehmer pro Wohneinheit. Anschließend gab es ein Abendessen und eine ab dem Zeitpunkt tägliche Ansprache von Dr. Izchak Barzilay, dem Gründer der Stiftung. Dabei wurden die Pläne und Aufgaben für den jeweils kommenden Tag besprochen und verteilt.

Einsatz vor Ort

In den folgenden Tagen waren wir an unterschiedlichen Orten im Einsatz. Unser Material und die Geräte wurden jeden Tag in drei kleine Vans verladen, inklusive des Generators. Am ersten Tag stand die Kicumbi Primaryschool and Catholic Church auf dem Programm. Dort warteten bereits Hunderte von Patienten auf uns. Da wir nur einen halben Tag zur Verfügung hatten, wurden keine Prothesen angefertigt. Zu den Stationen der nächsten Tage gehörten Kabasheshe im Ntungamo Distrikt, das Dorf Hamurwa und die Trinity Secondary School in Kabale. Die Anfahrt dauerte in der Regel zwischen einer und drei Stunden.

Da wir an den Einsatzorten meist Kirchen oder Schulhäuser nutzten, ging es vor Ort jedes Mal zunächst an die Vorbereitung: So teilten wir den uns zur Verfügung stehenden Platz in die notwendigen Bereiche ein, luden die Taschen aus und bauten alles Nötige für den Tag auf. An Mobiliar nutzten wir das, was da war, um unsere Patienten zu behandeln: Klapptische, Kirchen- und Schulbänke. Unsere gesamte Ausrüstung wie Mundschutz, Handschuhe, Spritzen, Betäubungsmedikamente und Geräte, um Instrumente nach dem Verbrauch zu sterilisieren, fanden ebenfalls auf Tischen und Bänken Platz.

Jeder Tag begann mit der Untersuchung der Patienten und der Einteilung, ob sie eine Prothese benötigen, Zähne gezogen werden müssen oder ob eine professionelle Zahnreinigung von Nöten ist. Pro Tag wurden 80 bis 140 Zähne gezogen und 18 bis 25 Prothesen hergestellt. Dank der guten Zusammenarbeit im Team konnten wir einer maximalen Zahl von Patienten helfen. Ein großer Vorteil war, dass wir das Lichthärtegerät zur Verfügung hatten und so ein sehr schnelles Verfahren anwenden konnten. Auch die Materialien für die Prothesenfertigung lassen sich unkompliziert und zeitsparend verarbeiten. Die ortsansässigen Zahnärzte und Zahnmedizin-Studenten waren hierbei täglich eine große Hilfe.

Überall dort, wo das tägliche Programm durchgeführt wurde, warteten bereits Hunderte von Menschen auf uns. Viele hatten eine sehr lange Anreise in Kauf genommen, um behandelt zu werden und nächtigten zuvor im Freien, um sicher zu gehen, dass ihnen entweder die Schmerzen genommen werden oder sie mit einem Zahnersatz wieder nach Hause gehen konnten.

Zum täglichen Programm gehörte auch das „Kidsprogram“. Wir haben den Kindern vor Ort erklärt, wie man die Zähne richtig putzt und pflegt, wie wichtig es ist, weitestgehend auf Zucker zu verzichten oder zumindest die Menge an Zucker zu reduzieren. Anschließend wurden allen Kindern die Zähne fluoridiert und sie erhielten eine Zahnbürste als Geschenk.

Zwei Tage verbrachten wir in der Stadt Kisoro. Wegen der sehr langen und aufgrund der Straßenverhältnisse auch schwierigen dreistündigen Anfahrt blieben wir hier über Nacht, um mehr Patienten versorgen zu können. Leider fiel am zweiten Tag gegen Nachmittag der Generator aus, so dass wir viele unfertige Prothesen mit in unser Base Camp genommen haben, um sie dort fertigzustellen. Die Patienten wurden einige Tage später mit dem Bus abgeholt und in einer Schule in der Nähe des Base Camps mit den fertigen Prothesen versorgt.

Auch im Dorf Muhanga verbrachten wir zwei Tage, da sich im örtlichen Rotom Health Centre so viele Patienten angekündigt hatten. Wir waren hier in einer Einrichtung für Großeltern, die sich um ihre Enkelkinder kümmern, deren Eltern bereits verstorben sind.

Der letzte Arbeitstag bot Zeit für das Sortieren und Kategorisieren aller verbrauchten und unbenutzten Materialien, des Equipments und der Instrumente. Bestandaufnahme für den Zoll und Packen der Taschen für die Rückreise standen ebenfalls auf der Tagesordnung.

Zum Abschluss ging es zum Gorilla Trekking. Die Teilnahme war freiwillig und wurde von allen Beteiligten selbst bezahlt. Die Rückreise führte uns über Rwanda zurück nach Addis Abeba, von dort flogen wir nach Frankfurt. Auf dem Weg haben wir einen Zwischenstopp im Genocide Museum in Kigali eingelegt. Die Gedenkstätte erinnert an den Völkermord von Rwanda im Jahr 1994.

Fazit:

Der Einsatz vor Ort, die Freude in den Gesichtern der Menschen – das alles hat mich sehr berührt. Niemals zuvor habe ich glücklichere Patienten gesehen, die mit Zahnersatz versorgt wurden. Mit dem von Dentsply Sirona zur Verfügung gestellten Material konnten wir vielen Menschen direkt und ohne Umwege helfen.

Wir haben mehr als 2000 Menschen behandelt und ihnen ein Lächeln geschenkt:

  • Rund 1400 Kinder erhielten Fluoridbehandlungen, Dentalhygiene, Zahnrestaurationen oder -extraktionen
  • Bei rund 500 Patienten wurden insgesamt rund 830 Zähne gezogen
  • Mehr als 100 Prothesen wurden gefertigt und mehr als 280 Zähne ersetzt
  • Knapp 100 Hygiene- und restaurative Maßnahmen wurden durchgeführt

Beeindruckt hat mich auch das unglaubliche Engagement von Dr. Barzilay und seinem Team, die Wochen in die Vor- und Nachbereitung des Einsatzes investieren. Ein Einsatz wie „Build your Smile“ ist nur durch das Engagement aller Beteiligten möglich: der Zahnärzte, Zahntechniker, Zahnarzthelferinnen, er vielen Helfer und Unterstützer in Uganda, darunter Zahnärzte, Zahnmedizinstudenten, Fahrer, Hilfspersonal…. Mein Dank gilt meinen Vorgesetzten Pamela Marklew (VP CE and KOL Management Consumables), Dr. Rainer Seemann (VP Global Clinical Affairs Consumables), Julie Mroziak (Vice President Lab) und Team, dass ich an diesem jährlichen Hilfsprojekt teilnehmen durfte.

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